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Kapitel 83: Der Weg nach Emmaus
Kapitel 83: Der Weg nach Emmaus
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Auf der Grundlage von Lukas 24,13-33. DM.639 Teilen

Am späten Nachmittag des Auferstehungstages gingen zwei Jünger nach Emmaus, einer etwa zwölf Kilometer von Jerusalem entfernt liegenden Kleinstadt. Diese Jünger waren im Dienst Jesu nicht weiter in Erscheinung getreten, dennoch konnten sie als ernste Gläubige gelten. Nach Jerusalem gekommen, um das Passahfest zu feiern, waren sie bestürzt wegen der Ereignisse, die kürzlich geschehen waren. Sie hatten am Morgen die Nachricht gehört, dass Jesu Leib aus dem Grab verschwunden sei, und hatten auch den Bericht der Frauen vernommen, die die Engel gesehen und Jesus getroffen hatten. Jetzt kehrten sie wieder nach Hause zurück, um über alles nachzusinnen und zu beten. Mit traurigen Gedanken gingen sie ihren abendlichen Weg dahin und unterhielten sich über das Verhör und die Kreuzigung. Noch nie waren sie so sehr entmutigt gewesen. Verzweifelt und verzagt wanderten sie im Schatten des Kreuzes. DM.639.1 Teilen

Sie waren noch nicht weit gekommen, da gesellte sich ein Fremder zu ihnen. Sie waren aber so sehr in ihrer Schwermut und Enttäuschung gefangen, dass sie diesen Fremden nicht näher betrachteten. Sie unterhielten sich weiter und tauschten ihre Gedanken aus. Sie besprachen die Lehren, die ihnen Jesus erteilt hatte und die sie nicht zu verstehen schienen. Als sie wieder auf die jüngsten Ereignisse zu sprechen kamen, sehnte sich Jesus danach, sie zu trösten. Er sah ihren tiefen Kummer und verstand die widerstreitenden, wirren Gedanken, die in ihnen die Frage aufkommen ließen: Konnte dieser Mann, der sich so sehr erniedrigen ließ, der Christus sein? Sie konnten ihren Kummer nicht mehr zurückhalten und weinten. Jesus wusste, dass sie Ihn sehr liebten. Er wollte so gerne ihre Tränen abwischen und sie mit Fröhlichkeit und Jubel erfüllen. Aber zuerst musste Er ihnen einige Lehren erteilen, die sie nicht mehr vergessen würden. DM.639.2 Teilen

„Er sprach aber zu ihnen: Was sind das für Dinge, die ihr miteinander verhandelt unterwegs? Da blieben sie traurig stehen. Und der eine, mit Namen Kleopas, antwortete und sprach zu Ihm: Bist du der Einzige unter den Fremden in Jerusalem, der nicht weiß, was in diesen Tagen dort geschehen ist?“ Sie erzählten Ihm nun von ihrer Enttäuschung über den Meister, „der ein Prophet war, mächtig in Taten und Worten vor Gott und allem Volk“; aber die „Hohepriester und Obersten“, sagten sie, haben ihn „zur Todesstrafe überantwortet und gekreuzigt“. Mit vor Enttäuschung wundem Herzen und mit zitternden Lippen fügten sie hinzu: „Wir aber hofften, er sei es, der Israel erlösen würde. Und über das alles ist heute der dritte Tag, dass dies geschehen ist.“ Lukas 24,17-21. DM.639.3 Teilen

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Wie seltsam, dass sich die Jünger nicht an Jesu Worte erinnerten und auch nicht daran dachten, dass Er die Ereignisse der letzten Tage vorhergesagt hatte! Sie machten sich nicht bewusst, dass sich der letzte Teil Seiner Weissagung genauso erfüllen würde wie der erste und dass Er schließlich am dritten Tag auferstünde. Daran hätten sie denken müssen. Sogar die Priester und Obersten hatten es nicht vergessen. Am Tag, „der auf den Rüsttag folgt, kamen die Hohepriester und Pharisäer zu Pilatus und sprachen: Herr, wir haben daran gedacht, dass dieser Verführer sprach, als er noch lebte: Ich will nach drei Tagen auferstehen.“ Matthäus 27,62.63. Die Jünger aber hatten sich an diese Worte nicht erinnert. „Und er sprach zu ihnen: O ihr Toren, zu trägen Herzens, all dem zu glauben, was die Propheten geredet haben! Musste nicht Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen?“ Lukas 24,25.26. Die Jünger fragten sich erstaunt, wer dieser Fremde sei, der das Innere ihres Wesens ergründen konnte und mit solchem Ernst, mit solcher Zärtlichkeit und Teilnahme und dabei doch so hoffnungsvoll zu ihnen sprach. Zum ersten Mal seit dem Verrat Jesu fassten sie wieder etwas Mut. Oft blickten sie ihren Begleiter ernst an und dachten, dass seine Aussagen genau den Worten entsprachen, die Jesus gesprochen hatte. Höchstes Erstaunen erfasste sie, und ihre Herzen begannen in freudiger Erwartung schneller zu schlagen. Beginnend beim Buch Mose, dem Anfang der biblischen Geschichte, erklärte Ihnen Christus alle Schriftstellen, die sich auf Ihn bezogen. Hätte Er sich ihnen sofort zu erkennen gegeben, wären sie zufrieden gewesen, und in der Fülle ihrer Freude würden sie nichts weiter verlangt haben. Und doch war es für sie notwendig, die Sinnbilder und Weissagungen des Alten Testamentes zu verstehen, die auf Jesus hindeuteten; denn darauf sollte ihr Glaube ja gegründet sein. Christus tat kein Wunder, um sie zu überzeugen, sondern Er sah es als Seine erste Aufgabe an, ihnen die heiligen Schriften zu erklären. DM.640.1 Teilen

Sie hatten Seinen Tod als Vernichtung all ihrer Hoffnungen angesehen, und nun zeigte Jesus ihnen aus den Propheten, dass gerade Sein Kreuzestod der stärkste Beweis für ihren Glauben sei. Indem Jesus jene Jünger lehrte, wies Er auf die Wichtigkeit des Alten Testamentes hin als ein Zeugnis Seiner Sendung. Viele angebliche Christen legen heute das Alte Testament zur Seite und behaupten, dass es nicht länger von Bedeutung sei. Doch dies lehrte Christus keineswegs. Er selbst schätzte es so hoch, dass Er einmal sagte: „Hören sie Mose und die Propheten nicht, so werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn jemand von den Toten auferstünde.“ Lukas 16,31. Es ist die Stimme Christi, die durch den Mund der Patriarchen und Propheten von Adam an bis zur Endzeit hin spricht. Der Heiland wird im Alten Testament genauso klar offenbart wie im Neuen Testament. Gerade das Licht der prophetischen Vergangenheit lässt das Leben Jesu und die Lehren des Neuen Testaments in aller Wahrheit und Schönheit hervortreten. Wohl ist Christi Wunderwirken ein Beweis Seiner Gottheit, aber ein bedeutend stärkerer Beweis, dass Er der Erlöser der Welt ist, wird durch den Vergleich der alttestamentlichen Prophezeiungen mit der Geschichte des Neuen Testamentes erbracht. DM.640.2 Teilen

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Anhand der alttestamentlichen Prophezeiungen gab Jesus den Jüngern ein genaues Bild davon, welche Aufgabe Er in menschlicher Gestalt übernehmen sollte. Ihre Erwartung eines Messias, der Seinen Thron und Seine Herrschermacht in Übereinstimmung mit menschlichen Wünschen aufrichten müsste, hatte sie in die Irre geführt. Diese Auffassung wirkte sich störend darauf aus, Sein Herabsteigen von der höchsten bis zu niedrigsten Stellung, die überhaupt eingenommen werden konnte, recht zu begreifen. Christus wünschte, dass die Vorstellungen Seiner Jünger in jeder Hinsicht klar und wahr wären. Sie mussten soweit wie möglich alles verstehen lernen, was mit dem Leidenskelch zusammenhing, der Ihm bestimmt worden war. Er zeigte ihnen, dass der schreckliche Kampf, den sie jetzt noch nicht begreifen konnten, die Erfüllung des Bundes bedeutete, der vor Grundlegung der Welt beschlossen worden war. Christus musste sterben, wie jeder Gesetzesübertreter sterben muss, wenn er in seiner Sünde beharrt. Dies war also notwendig, aber das Ende soll keine Niederlage, sondern ein herrlicher, ewiger Sieg sein. Jesus sagte ihnen auch, dass jede Anstrengung gemacht werden muss, um die Welt von der Sünde zu befreien. Seine Nachfolger müssen leben, wie Er gelebt, und wirken, wie Er gewirkt hat — mit ernstem und beharrlichem Eifer. DM.641.1 Teilen

So sprach der Herr mit den Jüngern und öffnete ihr geistiges Verständnis, damit sie die heiligen Schriften verstehen konnten. Obwohl die Jünger müde waren, erlahmte die Unterhaltung nicht. Worte des Lebens und der Zuversicht flossen von den Lippen des Heilandes. Aber ihre Augen wurden noch gehalten. Als Er ihnen von der Zerstörung Jerusalems erzählte, blickten sie auf die verurteilte Stadt und weinten. Auch jetzt noch ahnten sie kaum, wer ihr Weggefährte war. Sie dachten nicht, dass der Herr, von dem sie gesprochen hatten, an ihrer Seite ging, denn Jesus sprach von sich selbst, als wäre Er ein anderer. Sie hielten Ihn für einen der Besucher, die zum Passahfest gekommen waren und nun wieder heimwärts zogen. Er ging ebenso vorsichtig wie sie über die spitzen Steine und hielt ab und zu mit ihnen an, um von der Mühe des Weges auszuruhen. So schritten sie auf dem bergigen Weg voran, während der Eine neben ihnen herging, der bald Seine Stellung zur Rechten Gottes einnehmen würde und der von sich sagen konnte: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden“. Matthäus 28,18. DM.641.2 Teilen

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Währenddessen war die Sonne untergegangen, und bevor die Reisenden ihr Heim erreichten, hatten die Bauern auf dem Feld ihre Arbeit verlassen. Als die Jünger ihr Haus betreten wollten, schien es, als wolle der Fremde seine Reise fortsetzen. Doch die Jünger fühlten sich zu Ihm hingezogen, und sie sehnten sich danach, mehr von Ihm zu hören. Sie baten Ihn: „Bleibe bei uns.“ Der Herr aber schien die Einladung nicht annehmen zu wollen; darum nötigten sie Ihn dringender: „Denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt.“ Da gab Jesus ihrer Bitte nach und „er ging hinein, bei ihnen zu bleiben“. Lukas 24,29. DM.642.1 Teilen

Hätten die Jünger den Herrn nicht so dringend genötigt, so würden sie nicht erfahren haben, dass ihr Reisegefährte der auferstandene Herr gewesen war. Christus drängt Seine Gemeinschaft niemandem auf. Er nimmt sich aber aller an, die Ihn brauchen. Gern tritt Er in die bescheidenste Hütte und erfreut das Herz des Allergeringsten. Sind die Menschen aber zu gleichgültig, um an den himmlischen Gast zu denken oder Ihn zu bitten, bei ihnen zu bleiben, so geht Er weiter. Viele erleiden auf diese Weise einen großen Verlust. Sie kennen dann Christus nicht besser als die Jünger auf dem Weg nach Emmaus. DM.642.2 Teilen

Ein einfaches Abendessen ist bald bereitet und wird dem Gast vorgesetzt, der am Kopfende des Tisches Platz genommen hat. Da streckt Jesus Seine Hand aus und segnet die Speise. Die Jünger stutzen. Ihr Begleiter breitet die Hände genauso aus, wie es ihr Meister zu tun pflegte. Sie blicken wieder hin — und siehe da, sie erkennen die Nägelmale an Seinen Händen. Beide rufen zugleich aus: Es ist der Herr Jesus! Er ist von den Toten auferstanden! DM.642.3 Teilen

Sie erheben sich, um Ihm zu Füßen zu fallen und Ihn anzubeten, aber Er ist ihren Blicken entschwunden. Sie schauen auf den Platz, auf dem der gesessen hat, dessen Körper vor Kurzem noch im Grab ruhte, und sagen zueinander: „Brannte nicht unser Herz in uns, als er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift öffnete?“ Lukas 24,32. Mit solch großer Neuigkeit, die mitzuteilen ist, können sie nicht einfach sitzen und reden. Müdigkeit und Hunger sind vergessen. Sie lassen ihre Mahlzeit unberührt, und voller Freude brechen sie sofort auf und eilen den gleichen Weg, den sie kamen, wieder in die Stadt zurück, um den Jüngern diese Botschaft zu bringen. An einigen Stellen ist der Weg unsicher, aber sie klettern über schroffe Steine und eilen auf glattem Fels dahin. Sie sehen und wissen nicht, dass sie unter dem Schutz dessen stehen, der vorher mit ihnen diesen Weg gegangen ist. Mit dem Stab in der Hand drängen sie vorwärts und möchten gern noch schneller gehen, als sie es jetzt schon wagen. Sie verlieren ihren Pfad und finden ihn wieder. Manchmal rennend, manchmal stolpernd, eilen sie weiter mit ihrem unsichtbaren Begleiter während der ganzen Wegstrecke an ihrer Seite. DM.642.4 Teilen

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Die Nacht ist dunkel, aber die Sonne der Gerechtigkeit scheint auf die eilenden Jünger. Ihr Herz droht vor Freude zu zerspringen. Sie fühlen sich wie in einer neuen Welt, haben sie doch erfahren: Christus ist ein lebendiger Heiland! Sie brauchen Ihn nicht länger als Toten zu betrauern. Er ist auferstanden — immer und immer wieder sagen sie es vor sich hin. Diese Botschaft dürfen sie den Trauernden bringen. Sie müssen ihnen die wunderbare Geschichte von ihrem Weg nach Emmaus erzählen; sie müssen berichten, wer sich ihnen auf dem Weg angeschlossen hat. So tragen sie die größte Botschaft, die je der Welt gegeben wurde — eine frohe Botschaft, auf der alle Hoffnung der menschlichen Familie für Zeit und Ewigkeit ruht. DM.643.1 Teilen

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